Wenn Windows 11 unerwartet neu startet, Programme ohne Hinweis schließen oder das System zeitweise hängt, wirkt das für Anwender oft wie ein „Fehler ohne Spuren“. Tatsächlich protokolliert Windows viele Ereignisse im Hintergrund: von Anwendungsabstürzen über Treiberprobleme bis zu unerwarteten Neustarts und Hardwarewarnungen. Diese Informationen sind jedoch auf mehrere Werkzeuge verteilt und nicht dort sichtbar, wo man sie intuitiv suchen würde. Wer wiederkehrende Störungen eingrenzen will, braucht deshalb einen klaren Ansatz: Welche Art von Problem liegt vor (Anwendung, System, Treiber, Update), wann trat es auf, und welche Einträge passen zeitlich zu dem beobachteten Verhalten. Erst wenn diese Basis stimmt, lassen sich Maßnahmen wie Treiberwechsel, Update-Rollback oder gezielte Tests nachvollziehbar begründen.

Inhalt
Zuverlässigkeitsverlauf: Abstürze und Warnungen als Timeline mit Ursachenhinweisen
Der Zuverlässigkeitsverlauf (Reliability Monitor) eignet sich für eine schnelle, zeitliche Einordnung von Abstürzen, Hängern und Installationsproblemen. Im Unterschied zur Ereignisanzeige werden Vorfälle nicht als lange Listen von Einträgen präsentiert, sondern als Verlauf mit Tagen (und bei Bedarf Wochen) sowie einer Stabilitätsbewertung. Dadurch lassen sich Muster erkennen: etwa ein plötzlicher Einbruch nach einem Treiber-Update oder wiederkehrende Anwendungsabstürze zu ähnlichen Zeitpunkten.
Besonders hilfreich ist, dass der Verlauf viele Ereignisse zu „Paketen“ zusammenfasst und häufig direkt benennt, ob es sich um einen Anwendungsfehler, einen Windows-Fehler, einen Hardwarefehler oder eine fehlgeschlagene Installation handelt. Auch ohne sichtbare Fehlermeldung am Bildschirm entstehen häufig Einträge – etwa bei einem unerwarteten Neustart, einem abgestürzten Hintergrundprozess oder einem Treiber, der kurzzeitig ausfällt und sich anschließend wieder initialisiert.
Aufruf und grundlegende Orientierung
Der Zuverlässigkeitsverlauf ist über die klassische Systemsteuerung erreichbar. Nach dem Öffnen zeigt die Oberfläche eine Zeitleiste mit Symbolen, die nach Schweregrad sortiert sind. Kritische Ereignisse (z. B. Abstürze) stehen in der Regel im Vordergrund, Warnungen (z. B. problematische Installationen) ergänzen das Bild. Ein Klick auf einen Tag öffnet unten eine Liste der zugehörigen Details; ein Doppelklick auf einen Eintrag zeigt eine Ereignisbeschreibung, häufig mit dem fehlerauslösenden Modul (z. B. ntdll.dll oder eine Treiberdatei) und einem Verweis auf den entsprechenden Windows-Fehlerbericht.
- Schneller Aufruf per Ausführen:
perfmon /rel - Suche in Windows: Begriff
ZuverlässigkeitsverlaufoderZuverlässigkeiteingeben und „Zuverlässigkeitsverlauf anzeigen“ öffnen. - Pfad über Systemsteuerung:
Systemsteuerung > System und Sicherheit > Sicherheit und Wartung > Wartung > Zuverlässigkeitsverlauf anzeigen
Ereignistypen sauber unterscheiden: Was zählt als „kritisch“?
Für die Ursachenanalyse ist weniger die Stabilitätskurve entscheidend als die Typisierung der Einträge. Anwendungsabstürze betreffen einzelne Programme; Windows-Fehler weisen häufiger auf systemnahe Komponenten hin (beispielsweise Explorer-Abstürze oder Probleme mit Systemdiensten). „Verschiedene Fehler“ umfasst oft Berichte, die nicht sauber in die Standardkategorien passen, etwa Fehlfunktionen von Hintergrundkomponenten. Fehlschläge bei Updates oder Treiberinstallationen erscheinen typischerweise als Warnungen oder „Informationsereignisse“, können aber als Auslöser für spätere kritische Ereignisse relevant sein.
| Eintrag im Zuverlässigkeitsverlauf | Typische Bedeutung für die Eingrenzung |
|---|---|
| Anwendungsfehler (App-Absturz) | Problem ist meist auf eine konkrete Anwendung, ein Plug-in oder eine zugehörige DLL eingrenzbar; zeitlicher Abgleich mit Updates der App ist sinnvoll. |
| Windows-Fehler | Systemnahe Komponente betroffen (z. B. Shell, Dienst, Kernel-Teilbereich); häufig lohnt der Abgleich mit Treiber- oder Windows-Updates. |
| Hardwarefehler | Deutet auf vom System gemeldete Hardwareprobleme (z. B. WHEA-Meldungen) hin; kann auf Treiber, Firmware, Übertaktung oder reale Defekte hindeuten. |
| Fehler bei Installation/Update | Update oder Treiber wurde nicht sauber installiert; kann Vorläufer für spätere Abstürze sein, auch wenn der PC zunächst weiterläuft. |
| Erfolgreiche Installation (Information) | Markiert Änderungen am System (Updates, Treiber, Apps) und eignet sich als „Zeitstempel“, um Korrelationen herzustellen. |
Timeline-Analyse: Korrelation statt Bauchgefühl
Der größte Nutzen entsteht, wenn Ereignisse nicht isoliert betrachtet werden. Ein einzelner Anwendungsabsturz kann zufällig wirken; drei Abstürze derselben App an aufeinanderfolgenden Tagen nach einem Treiberwechsel sprechen dagegen für einen Zusammenhang. Ebenso auffällig sind „Cluster“: erst eine fehlgeschlagene Installation, kurz darauf ein Windows-Fehler, später wiederholte App-Abstürze. In solchen Fällen liefert der Zuverlässigkeitsverlauf eine klare Reihenfolge, die in weiteren Werkzeugen (z. B. Ereignisanzeige oder Minidumps) gezielt überprüft werden kann.
Für die zeitliche Zuordnung hilft die Detailansicht pro Tag: Dort stehen Uhrzeiten und Bezeichnungen. Relevante Hinweise sind der „Name der fehlerhaften Anwendung“, „Name des fehlerhaften Moduls“, Ausnahmecode sowie die Problemereignisnamen aus der Windows-Fehlerberichterstattung (häufig APPCRASH). Auch wenn diese Codes keine fertige Diagnose liefern, eignen sie sich als Schlüsselwörter, um identische Absturzsignaturen wiederzuerkennen und mit Softwareänderungen oder bestimmten Nutzungsszenarien abzugleichen.
- Signatur vergleichen: In den Details auf wiederkehrende Felder achten, z. B.
Name der fehlerhaften Anwendung,Name des fehlerhaften ModulsundAusnahmecode; identische Kombinationen deuten auf denselben Fehlermechanismus hin. - Änderungen als Trigger markieren: Informationsereignisse zu Installationen als Zeitanker nutzen, z. B.
Erfolgreich installiertbei Treibern, kumulativen Updates oder .NET; danach auftretende kritische Ereignisse erhalten Kontext. - „Stiller“ Neustart ist trotzdem sichtbar: Ein unerwarteter Neustart ohne sichtbaren Bluescreen kann als kritisches Ereignis auftauchen; die Timeline liefert mindestens den Zeitpunkt für die weitere Suche.
Typische Fehlannahmen und wie der Verlauf sie korrigiert
Die verbreitete Annahme, ohne Fehlermeldung gäbe es keine verwertbaren Informationen, führt häufig in die Irre. Viele Komponenten melden Fehler im Hintergrund und werden erst im Zuverlässigkeitsverlauf sichtbar: abgestürzte Dienste, zurückgesetzte Grafiktreiber, fehlgeschlagene Updateversuche oder blockierte Installationen. Umgekehrt ist ein sichtbarer Crash nicht automatisch ein „Windows-Problem“ – der Verlauf trennt meist sauber zwischen Anwendungsfehler und systemischem Ereignis.
Wichtig ist auch die Einordnung von Warnungen: Eine Warnung ist nicht „harmlos“, sondern oft ein frühes Signal. Wenn beispielsweise eine Treiberinstallation mehrfach fehlschlägt, kann das später zu Gerätestörungen oder Instabilität führen, ohne dass der Zusammenhang noch offensichtlich wäre. Der Zuverlässigkeitsverlauf legt solche Vorläufer offen, weil er Installationen und Fehler in derselben Zeitskala zusammenführt.
Praktischer Umgang mit Detailansichten
Für die Weitergabe an Support oder für die eigene Dokumentation lässt sich pro Tag eine klare Auswahl treffen: Erst die kritischen Ereignisse, anschließend relevante Warnungen direkt davor. In den Detaildialogen sind insbesondere Modulnamen und Ausnahmecodes nützlich, weil sie unabhängig von den Spracheinstellungen und häufig identisch über mehrere Vorfälle hinweg bleiben. Zusätzlich hilft die Liste „Alle Problemberichte anzeigen“, die aus dem Zuverlässigkeitsverlauf heraus erreichbar ist; sie bündelt Fehlerberichte, selbst wenn diese nicht als prominente „kritische“ Symbole in der Tagesansicht auffallen.
Wenn mehrere Programme betroffen sind, liefert die Timeline oft den entscheidenden Hinweis: treten Abstürze verschiedener Anwendungen nach einem gemeinsamen Systemereignis auf (Update, Treiberwechsel, Sicherheitssoftware-Update), deutet das eher auf eine gemeinsame Ursache im Unterbau hin. Sind dagegen nur einzelne Anwendungen betroffen und die Modulangaben variieren mit Add-ons oder Erweiterungen, liegt der Schwerpunkt meist im jeweiligen Programmumfeld.
Ereignisanzeige: kritische Ereignisse, Bugchecks und Anwendungsfehler gezielt filtern
Die Ereignisanzeige ist die präziseste Quelle, wenn ein Absturz zeitlich eingeordnet und technisch klassifiziert werden soll. Windows 11 protokolliert dort sowohl Kernel-Ereignisse (Neustarts, Bugchecks, Treiberprobleme) als auch Fehler einzelner Anwendungen. Der Nutzen entsteht weniger durch „Stöbern“ in langen Listen, sondern durch sauberes Filtern nach Zeitfenster, Quelle und Ereignis-ID. Damit lässt sich meist eindeutig trennen, ob eine App beendet wurde, ein Dienst ausgefallen ist oder das System selbst einen Stoppfehler hatte.
Ereignisanzeige öffnen und die richtigen Protokolle wählen
Für Abstürze sind vor allem zwei Bereiche relevant: Windows-Protokolle mit System (Hardware, Treiber, Kernel, Energie) und Anwendung (Programmfehler, .NET, App-Model). Zusätzlich liefert Anwendungs- und Dienstprotokolle detaillierte Diagnosen, ist für Endanwender aber häufig zu granular. In der Praxis reicht es, zuerst System und Anwendung zu prüfen und die Treffer über die Zeitachse mit dem beobachteten Zeitpunkt des Fehlverhaltens abzugleichen.
- Start über Ausführen:
eventvwr.msc - Direkt zum Systemprotokoll:
eventvwr.msc /s - Pfad in der Oberfläche:
Ereignisanzeige (Lokal) > Windows-Protokolle > System - Pfad für App-Abstürze:
Ereignisanzeige (Lokal) > Windows-Protokolle > Anwendung
Filtern statt suchen: Kritisch, Fehler, Warnung und Zeitfenster
Der wichtigste Schritt ist ein Filter, der das Ereignisaufkommen reduziert, ohne relevante Zusammenhänge zu verlieren. Im jeweiligen Protokoll (System oder Anwendung) arbeitet die Funktion „Aktuelles Protokoll filtern…“ mit drei Hebeln: Ebene (Kritisch/Fehler/Warnung), Zeitraum und Quelle. Ein enger Zeitraum (z. B. die letzten 1–4 Stunden) und die Ebenen Kritisch + Fehler liefern meist den ersten brauchbaren Treffer. Warnungen sind dann sinnvoll, wenn sie direkt vor dem Fehler gehäuft auftreten (etwa Treiber-Resets oder Dienst-Timeouts).
Für eine belastbare Zuordnung ist der Zeitstempel entscheidend: Ein Anwendungsabsturz kann zeitlich nahe an einem Neustart liegen (z. B. wenn das System insgesamt nicht mehr reagiert und ein Reset erfolgt), oder umgekehrt kann ein unerwarteter Neustart dazu führen, dass mehrere Apps beim nächsten Start „Fehler bei letzter Sitzung“ protokollieren. Deshalb sollten die Einträge um den Zeitpunkt des beobachteten Problems herum als Kette gelesen werden: Was passiert unmittelbar davor, was genau beim Ereigniszeitpunkt, was direkt danach.
| Typisches Ereignis | Was es aussagt (Einordnung) |
|---|---|
Kernel-Power (Quelle), Ereignis-ID 41 |
Unerwarteter Neustart ohne sauberes Herunterfahren. Häufig Folge eines Absturzes, Stromverlusts oder Hard-Resets; nicht automatisch die Ursache. |
BugCheck (Quelle), Ereignis-ID 1001 |
Es gab einen Bluescreen (Stoppfehler). Der Eintrag enthält meist den Bugcheck-Code und ggf. Hinweise auf ein Dump. |
EventLog, Ereignis-ID 6008 |
Das vorherige Herunterfahren war unerwartet. Ergänzt oft Kernel-Power 41 und hilft bei der Zeitlinie. |
Application Error, Ereignis-ID 1000 |
Eine Anwendung ist abgestürzt. Enthält betroffene Faulting application und oft ein Modul (Faulting module), das auf Plug-ins oder DLL-Probleme hindeuten kann. |
Windows Error Reporting, Ereignis-ID 1001 (Anwendung) |
Windows hat einen Absturzbericht verarbeitet. Nützlich zur Korrelation, kann aber zeitlich leicht nachgelagert erscheinen. |
Gezielte Filter für Bugchecks und Neustarts (System)
Wenn ein Rechner „einfach neu startet“ oder kurz einfriert und dann wieder kommt, sollte im Systemprotokoll zuerst zwischen einem echten Bugcheck (Bluescreen) und einem unerwarteten Reset unterschieden werden. Der Eintrag BugCheck ist dabei der belastbarste Beleg für einen Stoppfehler. Kernel-Power mit Ereignis-ID 41 belegt hingegen nur, dass das System nicht sauber heruntergefahren ist; er tritt auch nach erzwungenem Ausschalten oder Stromproblemen auf. Aussagekräftig wird Kernel-Power 41 vor allem dann, wenn direkt davor Treiber- oder Hardwaremeldungen liegen.
- Bugcheck prüfen: Filter nach Quelle
BugCheckoder Ereignis-ID1001im ProtokollSystem - Unerwarteten Neustart bestätigen: Filter nach Quelle
Kernel-Powerund Ereignis-ID41im ProtokollSystem - Unsauberes Herunterfahren ergänzen: Filter nach Quelle
EventLogund Ereignis-ID6008im ProtokollSystem - Fehlerkette eingrenzen: Zusätzlich Ebene
KritischundFehlersowie Zeitraum auf wenige Minuten um den Neustart setzen
Für die zeitliche Zuordnung ist hilfreich, das Ereignis zu öffnen und die Felder „Protokolliert“ (Zeitstempel) sowie „Quelle/Ereignis-ID“ als harte Anker zu verwenden. Die Detailansicht (Register „Details“) enthält strukturierte Daten, die bei Supportfällen oder beim Abgleich mit anderen Diagnosen (z. B. Zuverlässigkeitsverlauf, Treiber-Updates) konsistent sind. Entscheidend ist, dass ein fehlender Dialog oder eine nicht angezeigte Fehlermeldung keine Informationslücke bedeutet: Windows protokolliert viele Abstürze ausschließlich im Hintergrund.
Anwendungsabstürze sauber von Systemfehlern trennen (Anwendung)
Wenn nur ein Programm verschwindet, einfriert oder „Keine Rückmeldung“ zeigt, liegt der erste Anlaufpunkt im Protokoll Anwendung. Dort tauchen klassische Crash-Signaturen als Application Error auf. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen der abstürzenden Anwendung und dem fehlerauslösenden Modul: Steht als Modul eine Grafikbibliothek, ein Audio-Treiber-Wrapper oder eine Sicherheitssoftware-DLL, liegt die Ursache oft außerhalb der eigentlichen App. Ergänzend protokolliert Windows Error Reporting die Weiterverarbeitung des Absturzes; dieser Eintrag kann wenige Sekunden bis Minuten nach dem Crash erscheinen.
- App-Crash identifizieren: Filter nach Quelle
Application Errorund Ereignis-ID1000im ProtokollAnwendung - WER-Korrelation setzen: Filter nach Quelle
Windows Error Reportingim ProtokollAnwendung(häufig mit Ereignis-ID1001) - Betroffenen Prozess sichern: In den Ereignisdetails auf
Faulting application nameundFaulting module nameachten, Zeitstempel mit anderen Einträgen abgleichen - Zeitraum eng führen: Filter-Zeitfenster auf
Letzte Stundeoder benutzerdefiniert (Minutenbereich) setzen, um Folgefehler nicht mit Ursachen zu verwechseln
Ein häufiger Denkfehler entsteht, wenn mehrere Fehlereinträge rund um den Absturz auftauchen: Nicht jeder Fehler ist ursächlich, viele sind Sekundärfolgen (z. B. Add-ons, die beim Beenden nicht mehr antworten, oder Dienste, die eine Session verlieren). Eine klare Regel hilft: Der erste Fehler im Zeitfenster, der den Namen der betroffenen App oder den Bugcheck benennt, ist oft näher an der Ursache als spätere „Folgemeldungen“. Für eine belastbare Eingrenzung sollten deshalb immer System- und Anwendungsprotokoll parallel im selben Zeitfenster betrachtet werden.
Zeitliche Zuordnung und Abgrenzung: Programmabsturz vs. Systemneustart vs. Treiber-/Updateproblem
Für die Eingrenzung zählt weniger „was war kaputt“, sondern „was passierte zuerst“. Windows protokolliert viele Hinweise parallel: Anwendungsfehler, Dienstabbrüche, unerwartete Neustarts, Treiberwarnungen und Update-Aktionen. Erst die zeitliche Zuordnung trennt Ursache von Folge. Ein eingefrorenes Programm kann einen Neustart nach sich ziehen, ein Treiberfehler kann sowohl einen Anwendungsabsturz als auch einen Bluescreen verursachen, und ein Update kann Minuten zuvor unauffällig Komponenten ausgetauscht haben, die später scheitern.
Zeitleiste aufbauen: ein Referenzzeitpunkt, dann rückwärts
Als Referenz eignet sich der Moment, an dem das Problem sichtbar wurde: plötzlicher Neustart, „Keine Rückmeldung“, Programm beendet, schwarzer Bildschirm oder Anmeldebildschirm nach einem Reset. Von diesem Zeitpunkt aus lohnt der Blick einige Minuten zurück und danach wenige Minuten nach vorn. In der Praxis zeigen sich typische Muster: Zuerst Warnungen zu Treibern oder Diensten, dann ein Anwendungsfehler, anschließend ein unerwarteter Neustart; oder umgekehrt ein Neustart (Strom/Reset), gefolgt von Reparaturvorgängen und erst danach Anwendungsfehlern durch beschädigte Sitzungen.
Für die Abgrenzung ist entscheidend, ob Windows „kontrolliert“ neu startete (geplantes Update, Benutzeraktion) oder „unkontrolliert“ (Absturz/Powerloss). Kontrollierte Neustarts hinterlassen klare Spuren in Update- und Setup-Protokollen; unkontrollierte Neustarts erzeugen häufig Kernel- und Zuverlässigkeitseinträge, ohne dass unmittelbar eine verständliche Meldung am Bildschirm erscheint.
Erkennungsmerkmale in Zuverlässigkeitsverlauf und Ereignisanzeige
Der Zuverlässigkeitsverlauf fasst Ereignisse kalenderartig zusammen und eignet sich als „Index“. Für die technische Trennung liefern Ereignisanzeige-Protokolle die Details. Typische Fehlannahmen wie „ohne Fehlermeldung gibt es keine Infos“ greifen zu kurz: Gerade bei Neustarts und Treiberproblemen entstehen Einträge, die nur in Protokollen sichtbar sind. Wichtig ist, pro Vorfall die Kategorie zu bestimmen und die Zeitstempel in beiden Werkzeugen abzugleichen.
| Symptom/Beobachtung | Typische Spur (Interpretation) | Abgrenzung |
|---|---|---|
| Programm schließt sich plötzlich, Windows läuft weiter | Anwendungsfehler (z. B. „Application Error“), ggf. „Windows Error Reporting“ mit Fehlerbericht | Kein Hinweis auf Kernel-/Power-Ereignis im selben Zeitfenster spricht gegen Systemabsturz |
| PC startet ohne Vorwarnung neu | Kernel-Power (ID 41) und/oder EventLog (ID 6008); danach Neustart-Ereignisse |
Wenn kurz zuvor keine Update-Neustartspuren vorhanden sind, ist ein ungeplanter Reset wahrscheinlicher |
| Bluescreen oder Freeze, danach Neustart | BugCheck-Eintrag und/oder Speicherabbild; im Zuverlässigkeitsverlauf „Windows wurde nicht ordnungsgemäß heruntergefahren“ | BugCheck deutet eher auf Kernel/Treiber/Hardware als auf reine App |
| Nach Update treten neue Abstürze auf | Setup-/WindowsUpdateClient-Einträge; Zuverlässigkeitsverlauf zeigt „Erfolgreiche Windows-Updates“ kurz vor Fehlern | Die zeitliche Nähe ist ein Indiz, ersetzt aber nicht die Prüfung konkreter Fehlermodule/Treiber |
| Geräteaussetzer (WLAN, Audio, USB), gelegentlich App-Abstürze | Treiberwarnungen (z. B. Gerät zurückgesetzt), Dienstabbrüche, danach App-Fehler | Wenn mehrere Apps gleichzeitig betroffen sind, spricht das eher für Treiber/Subsystem als für eine einzelne Anwendung |
Drei Fälle sauber trennen: App-Crash, Systemneustart, Treiber-/Updatekette
Ein Programmabsturz ist meistens lokal: Eine einzelne App bricht ab, andere Programme laufen weiter, Maus und Taskleiste reagieren. Im Protokollbild zeigt sich ein Anwendungsfehler mit einem konkreten Modulnamen (z. B. DLL) und häufig ein Eintrag von Windows Error Reporting. Ein Systemneustart dagegen ist global: Sitzung, Netzwerkverbindungen und alle Prozesse werden unterbrochen. Hier zählen Kernel-/Power-Ereignisse und Hinweise auf BugChecks oder unerwartetes Herunterfahren.
Treiber- und Updateprobleme wirken oft indirekt. Ein aktualisierter Grafiktreiber kann zunächst nur Flackern verursachen, später einen Anwendungsabsturz in Programmen auslösen, und im Extremfall in einen BugCheck münden. Updates können außerdem geplante Neustarts auslösen; diese sind keine Abstürze, erzeugen aber zeitnahe „Neustart erforderlich“- oder „Installation erfolgreich“-Spuren. Die Trennung gelingt, wenn im selben Zeitfenster sowohl Setup-/Update-Ereignisse als auch Kernel-/App-Ereignisse betrachtet werden, statt nur eine einzelne Meldung zu interpretieren.
- Programmabsturz (ohne Neustart): Zeitlich passend nach Einträgen wie
Anwendung→ „Fehler“ und Quellen wieApplication ErroroderWindows Error Reporting; häufig mit „Faulting application name“/„Faulting module name“ in den Details. - Unerwarteter Neustart/Powerloss: System-Protokoll mit kritischen Power-/Kernel-Hinweisen im Umfeld des Zeitpunkts; typisch sind Quellen wie
Kernel-Powersowie Einträge zu „unerwartetem Herunterfahren“ (je nach Ereignisquelle). Fehlende „Geordnet heruntergefahren“-Spuren stützen diese Einordnung. - BugCheck (BSOD): System-Protokoll mit BugCheck-Hinweis und Parameterwerten; zusätzlich können Speicherabbild-Dateien entstehen, häufig unter
C:\Windows\Minidump\oder alsC:\Windows\MEMORY.DMP, sofern die Dump-Erstellung aktiviert ist. - Treiber-/Geräteproblem als Auslöser: Zeitlich vor App- oder Kernel-Fehlern treten Warnungen zu Geräten/Reset/Timeouts auf; häufig in
Systemunter Treiber- oder Gerätequellen. Wiederholungen im Minutentakt sprechen eher für Instabilität als für einen einmaligen App-Bug. - Updatekette: Einträge unter
Setupund in Windows-Update-Quellen (z. B.WindowsUpdateClient) markieren Installationszeitpunkte; die Korrelation gelingt, indem derselbe Zeitstempel im Zuverlässigkeitsverlauf und in den Ereignissen abgeglichen wird.
Praktische Abgrenzungsregeln, wenn mehrere Dinge gleichzeitig „rot“ sind
In realen Logbildern häufen sich Einträge: Ein Systemneustart erzeugt zwangsläufig Folgefehler (Dienste wurden unerwartet beendet, Anwendungen verloren ihre Sitzung). Deshalb zählt die Reihenfolge. Ein Anwendungsfehler nach einem unerwarteten Neustart ist oft Folge (z. B. Autostart-Programme, beschädigte temporäre Daten). Ein Anwendungsfehler vor einem Neustart kann Hinweis auf ein eskalierendes Problem sein, ist aber nicht automatisch die Ursache des Neustarts.
Für eine belastbare Eingrenzung empfiehlt sich, pro Vorfall ein enges Zeitfenster festzulegen (z. B. ±10 Minuten um den sichtbaren Fehler) und darin drei Spuren zu prüfen: (1) App-Ebene: welches Programm, welches Modul, wiederholt oder einmalig; (2) System-Ebene: ungeplanter Neustart, BugCheck, Dienstkaskaden; (3) Änderungs-Ebene: Updates, Treiberinstallationen, neue Hardware. Erst wenn diese drei Ebenen zeitlich zusammenpassen, entsteht eine plausible Kette statt einer Sammlung isolierter Meldungen.
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