OneDrive ist in Windows 11 tief in den Datei-Explorer, das Benutzerprofil und die Anmeldung mit Microsoft-Konten integriert. Dadurch wirken Dateioperationen oft so, als beträfen sie ausschließlich den lokalen PC – tatsächlich laufen im Hintergrund Sync-Mechanismen, die Änderungen in der Cloud nachziehen oder von dort zurück auf das Gerät bringen. In der Praxis führt das regelmäßig zu konkreten Fragen: Welche Dateien liegen wirklich lokal vor, welche sind nur Platzhalter, und wo befindet sich der physische Speicherort im Dateisystem?

Ebenso kritisch ist das Löschverhalten: Ein Entfernen im Explorer kann je nach Zustand und Einstellung eine serverseitige Löschung auslösen, und umgekehrt können Löschungen oder Wiederherstellungen im Web auch lokal durchschlagen. Zusätzliche Komplexität entsteht durch Ordnerumleitungen wie „Bekannte Ordner sichern“ für Desktop, Dokumente und Bilder sowie durch die Trennung eines Kontos oder das Pausieren der Synchronisation.
Wer OneDrive in Windows 11 administriert oder im Alltag gezielt nutzt, muss diese Zusammenhänge verstehen, um Datenverluste, unerwartete Speicherbelegung und Inkonsistenzen bei Versionen und Konflikten zu vermeiden.
Inhalt
- Synchronisationsmechanik in Windows 11: Client, Cloud-Zustände, Konflikte und Versionierung
- Architektur der Synchronisation: Dateisystemfilter, Warteschlangen und Delta-Abgleich
- Cloud Files (CfAPI): Platzhalterdateien, Zustände und Dateiattribute
- Konflikte und Paralleländerungen: Erkennung, Auflösung und typische Stolperstellen
- Versionierung und Wiederherstellung: Zusammenspiel von lokalem Bearbeiten und Cloud-Historie
- Lokale Ablage und Platzhalter: Dateien bei Bedarf, Statusattribute und tatsächliche Datenträgerbelegung
- Lösch- und Trennszenarien: Recycle Bin, Wiederherstellung, Ordnerumleitungen und Folgen beim Entkoppeln des Kontos
- Löschen in einem synchronisierten OneDrive-Ordner: Was lokal passiert und was in der Cloud folgt
- Papierkörbe, Wiederherstellung und Versionierung: Zwei Ebenen mit unterschiedlichen Regeln
- Ordnerumleitungen (Known Folder Move) und ihre Nebenwirkungen bei Löschungen
- Konto trennen oder OneDrive zurücksetzen: Was bleibt lokal, was verschwindet, was wird neu verknüpft
Synchronisationsmechanik in Windows 11: Client, Cloud-Zustände, Konflikte und Versionierung
Architektur der Synchronisation: Dateisystemfilter, Warteschlangen und Delta-Abgleich
Unter Windows 11 integriert sich OneDrive als Hintergrunddienst mit tiefem Dateisystembezug. Änderungen an synchronisierten Inhalten werden nicht „periodisch kopiert“, sondern ereignisgesteuert erfasst: Dateioperationen wie Umbenennen, Verschieben, Schreiben oder Attributänderungen lösen lokale Ereignisse aus, die OneDrive in eine Upload- oder Download-Warteschlange überführt. Anschließend gleicht der Client die Differenzen mit dem Cloudbestand ab, statt vollständige Dateien erneut zu übertragen, sofern sich der Änderungsumfang und Dateityp dafür eignen.
Der Abgleich folgt dabei einem transaktionalen Muster: Zuerst wird lokal konsistent geschrieben (inklusive Metadaten wie Zeitstempel und lokalen Änderungsmarkern), danach erfolgt die Cloud-Kommunikation. Bei Netzwerkunterbrechungen bleiben Operationen in einer lokalen Queue, bis Verbindungen und Authentifizierung wieder verfügbar sind. Für die Praxis bedeutet das: Ein scheinbar „fertig“ wirkender Speichervorgang kann bereits lokal abgeschlossen sein, während der Cloudzustand noch nicht aktualisiert wurde. Im Explorer wird dieser Unterschied über Statussymbole und den Datei-Zustand (Platzhalter vs. lokal verfügbar) sichtbar gemacht.
Cloud Files (CfAPI): Platzhalterdateien, Zustände und Dateiattribute
Windows 11 nutzt für OneDrive „Cloud Files“ (Cloud Files API, CfAPI). Dateien können als Platzhalter im lokalen Dateisystem erscheinen, ohne dass ihre Inhalte vollständig gespeichert sind. Der Platzhalter enthält die nötigen Metadaten, um Namen, Größe, Struktur und Identität in der Cloud abzubilden. Beim Öffnen („Hydration“) werden Inhalte nachgeladen; beim Freigeben von Speicherplatz („Dehydration“) verbleibt wieder ein Platzhalter, sofern die Synchronisation aktiv bleibt.
Die Zustände sind dabei keine reinen OneDrive-Labels, sondern beeinflussen das Verhalten von Anwendungen und Offlinefähigkeit. „Immer auf diesem Gerät behalten“ erzwingt eine lokale Kopie und verhindert automatisches Dehydrieren; „Speicherplatz freigeben“ entfernt die lokale Datenkopie, nicht jedoch den Cloudbestand. Zusätzlich kann der Windows-Speichersinn je nach Einstellung und verfügbarer Kapazität Dateien wieder zu „nur online“ machen, ohne Dateinamen oder Ordnerstruktur zu verändern.
| Explorer-Status / Option | Technische Bedeutung für den Inhalt | Typische Folge bei Zugriff ohne Internet |
|---|---|---|
| Nur online (Wolke) | Platzhalter vorhanden, Inhalte nicht lokal | Öffnen scheitert oder bleibt ausstehend, bis Download möglich ist |
| Lokal verfügbar (grüner Haken im Kreis) | Inhalte lokal vorhanden, dürfen später dehydriert werden | Datei bleibt nutzbar; spätere Dehydrierung möglich |
| Immer auf diesem Gerät (gefüllter grüner Kreis) | Inhalte lokal fixiert, keine automatische Dehydrierung | Datei bleibt nutzbar, auch dauerhaft offline |
| Synchronisierung ausstehend / Fehler | Queue blockiert oder Konflikt/Fehlerzustand | Lokale Nutzung meist möglich, Cloudzustand kann abweichen |
Konflikte und Paralleländerungen: Erkennung, Auflösung und typische Stolperstellen
Konflikte entstehen vor allem bei Paralleländerungen: Eine Datei wird auf zwei Geräten oder parallel in einer Desktop-App und einer Web-App geändert, bevor der jeweils andere Stand synchronisiert ist. OneDrive versucht, Konflikte über Versions- und Änderungsmarker zu vermeiden. Kann der Client die Änderungen nicht linear in eine eindeutige Reihenfolge bringen, legt er typischerweise eine zusätzliche Konfliktkopie an oder blockiert die Synchronisation einzelner Elemente, bis der Konflikt manuell bereinigt ist.
Besonders konfliktanfällig sind Dateitypen ohne robuste Merge-Mechanik (z. B. Binärdateien), sehr große Dateien bei instabiler Verbindung sowie Szenarien mit „schnellen“ Operationen wie Verschieben ganzer Ordnerstrukturen während zeitgleich ein anderes Gerät bereits Inhalte darin ändert. Auch Anwendungen, die in Dateien per „Safe Save“ schreiben (temporäre Datei, dann Umbenennen), können mehrere schnelle Ereignisse erzeugen, die im Zusammenspiel mit Virenscannern oder DLP-Agenten Verzögerungen verursachen.
- Diagnose über Status und Pfad: Konflikte zeigen sich häufig an abweichenden Dateinamen (Konfliktkopie) oder persistenten Symbolen; die betroffenen Elemente liegen im OneDrive-Root wie
C:\Users\<Benutzername>\OneDrive\bzw. im jeweiligen Mandantenordner. - Typische Konfliktauslöser: Gleichzeitiges Bearbeiten derselben Datei auf zwei Geräten, Offline-Arbeit mit späterer Synchronisation, Massenverschiebungen während Hintergrundänderungen, sowie paralleles Speichern aus Anwendungen, die per temporärer Datei arbeiten.
- Pragmatische Bereinigung: Abgleich der Dateiinhalte (lokal vs. Cloud), anschließendes konsistentes Umbenennen, und erst danach das Löschen der nicht benötigten Konfliktkopie, damit die Löschoperation eindeutig synchronisiert werden kann.
- Vermeidung bei großen Änderungen: Strukturänderungen (Verschieben/Umbenennen vieler Ordner) bevorzugt durchführen, wenn alle Geräte online sind und keine Anwendungen Dateien im Zielbereich geöffnet halten.
Versionierung und Wiederherstellung: Zusammenspiel von lokalem Bearbeiten und Cloud-Historie
Die Versionierung findet primär serverseitig in OneDrive/SharePoint statt. Der Windows-Client speichert lokal nicht automatisch eine „Versionskette“ je Datei, sondern überträgt Änderungsstände in die Cloud, wo (abhängig von Bibliothekstyp und Einstellungen) Versionen geführt werden. Damit wird die Wiederherstellung nach Fehlspeicherung oder Überschreiben in vielen Fällen über die Versionshistorie ermöglicht, nicht über lokale Schattenkopien. Das gilt auch dann, wenn eine Datei auf dem Gerät als „immer behalten“ markiert ist: Diese Einstellung steuert die lokale Verfügbarkeit, nicht die Anzahl der vorhaltbaren Cloudversionen.
Für kollaborative Office-Dateien kommt hinzu, dass Co-Authoring und AutoSave den Änderungsfluss in kleinere, häufigere Updates zerlegen können. Das reduziert Konflikte, führt aber zu mehr Synchronisationsereignissen und erhöht die Bedeutung eines stabilen Authentifizierungszustands. Bei nicht unterstützten Formaten bleibt es bei klassischen Datei-Uploads, wodurch parallele Bearbeitungen eher zu Konfliktkopien führen.
Wiederherstellungsszenarien unterscheiden strikt zwischen lokalem Zustand und Cloudzustand: Wird eine Datei lokal zurückgesetzt, kann der Client diesen Stand erneut hochladen und damit einen neuen Cloudstand erzeugen. Wird dagegen in der Cloud eine frühere Version wiederhergestellt, erhält der Client diese Änderung als Download-Ereignis und aktualisiert lokal entsprechend. Entscheidend ist, dass OneDrive Operationen als Abfolge von Änderungen interpretiert; der „richtige“ Stand entsteht aus der Reihenfolge der zuletzt bestätigten Operationen, nicht aus dem zuletzt angezeigten Explorer-Symbol.
Lokale Ablage und Platzhalter: Dateien bei Bedarf, Statusattribute und tatsächliche Datenträgerbelegung
OneDrive unter Windows 11 arbeitet im Explorer mit einem Cloud-Dateisystemtreiber, der Dateien im synchronisierten Bereich als normale Einträge darstellt, unabhängig davon, ob die Inhalte bereits vollständig lokal vorliegen. Diese „Dateien bei Bedarf“-Mechanik reduziert standardmäßig die lokale Belegung, weil nicht jede Datei physisch auf dem Datenträger gespeichert werden muss. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen Metadaten (Name, Größe, Zeitstempel, Attribute) und dem tatsächlichen Dateiinhaltsstrom, der bei Bedarf aus der Cloud nachgeladen oder beim Hochladen in die Cloud übertragen wird.
Im Explorer wirkt das System transparent: Platzhalter verhalten sich wie Dateien und Ordner, lassen sich öffnen, verschieben oder umbenennen. Technisch liegt jedoch häufig nur ein lokaler Stub vor, der erst beim Zugriff zum vollständigen Objekt „hydratisiert“ wird. Anwendungen, die auf Dateiinhalte zugreifen, lösen dadurch automatisch einen Download aus, sofern keine Offline-Kopie vorhanden ist. Der tatsächliche Datenträgerverbrauch hängt deshalb nicht von der reinen Dateiliste ab, sondern vom Verfügbarkeitsstatus der jeweiligen Elemente.
Physischer Speicherort: OneDrive-Ordner, Pfadauflösung und Besonderheiten
Der lokale OneDrive-Stammordner liegt pro Benutzerprofil typischerweise unter %UserProfile%\OneDrive. In Unternehmens- oder Schulkontexten existieren häufig mehrere Konten; deren Ordner werden dann als separate Einträge im Explorer geführt und können abweichende Namen tragen (z. B. OneDrive - <Organisation>). Die tatsächliche Pfadauflösung ist am zuverlässigsten über Umgebungsvariablen oder den Explorer-Kontext zu prüfen, weil Organisationseinstellungen und Kontokonfigurationen den Anzeigenamen beeinflussen können.
Der OneDrive-Ordner ist ein regulärer NTFS-Pfad, aber Elemente darin können Cloud-Platzhalter sein. Für Backups, Skripte oder Legacy-Anwendungen ist relevant, dass Dateigrößen und Zeitstempel zwar sichtbar sind, der Inhalt jedoch erst nach einem Zugriff vorhanden sein kann. Prozesse, die sequenziell Dateien lesen (z. B. Indexer, Archivierungstools), können dadurch unerwartet Bandbreite verbrauchen und lange Laufzeiten auslösen, wenn sie viele Online-only-Dateien anstoßen.
- Benutzerprofil und Standardpfad:
%UserProfile%\OneDrive - Pfadabfrage per PowerShell:
$env:OneDrive(privat) bzw.$env:OneDriveCommercial(Geschäft/Schule), falls gesetzt - Typische Synchronisationswurzel im Explorer:
OneDrive – [Organisationsname](Anzeige), physisch als NTFS-Verzeichnis im Benutzerprofil umgesetzt
Statusattribute und Hydration: Was die Symbole wirklich bedeuten
Windows 11 und der OneDrive-Client markieren Dateien im synchronisierten Bereich mit Statussymbolen. Diese Symbole sind eine Benutzeroberflächenprojektion von Zuständen wie „nur online“, „lokal verfügbar“ oder „immer auf diesem Gerät“. Im Hintergrund steuern Treiberzustände, ob der Datenstrom lokal vorhanden ist und ob das System den Inhalt bei Platzbedarf wieder freigeben darf (Dehydration). Bei reinem Metadatenplatzhalter belegt der Eintrag nur sehr wenig Speicher, obwohl im Explorer die volle Dateigröße angezeigt werden kann.
| Status (Explorer) | Praktische Bedeutung für Datenträger und Zugriff |
|---|---|
| Nur online | Datei liegt als Platzhalter vor; Inhalt wird beim Öffnen oder Lesen nachgeladen; lokale Belegung minimal. |
| Lokal verfügbar | Inhalt wurde mindestens einmal heruntergeladen und liegt lokal vor; Windows kann die Kopie bei Speicherdruck wieder freigeben. |
| Immer auf diesem Gerät | Inhalt bleibt lokal; automatische Freigabe durch Speicheroptimierung ist für diese Datei/Ordner unterbunden, solange die Markierung gesetzt ist. |
| Synchronisation ausstehend/Fehler | Metadaten oder Upload/Download sind nicht konsistent; Datei kann lokal geändert sein, ohne dass der Serverstand bereits aktualisiert wurde. |
Die Option „Speicherplatz freigeben“ setzt Dateien zurück auf einen Online-only-Zustand, ohne sie aus der Cloud zu entfernen. Umgekehrt erzwingt „Immer auf diesem Gerät“ die lokale Vorhaltung, was in großen Bibliotheken die Datenträgerbelegung schnell ansteigen lässt. In gemischten Ordnern kann die Belegung stark variieren, weil bereits geöffnete Office-Dateien oder Vorschaudateien oft automatisch lokal vorliegen, während selten genutzte Daten nur als Platzhalter existieren.
Tatsächliche Datenträgerbelegung: Explorer-Größen, Cache und Messfehler
Für die Beurteilung von Speicherbedarf sind zwei Größen auseinanderzuhalten: die „logische Größe“ (Inhaltsgröße in der Cloud) und die „belegte Größe auf Datenträger“ (tatsächlich lokal allokierte Cluster). Der Explorer zeigt bei Ordnern häufig die Summe der logischen Größen an, auch wenn viele Elemente nur online vorhanden sind. Aussagekräftiger sind die Dateieigenschaften einzelner Elemente sowie die konsequente Betrachtung der lokalen Belegung über Datenträgeranalyse-Tools, die physische Allokationen auswerten.
Zusätzlich existieren lokale OneDrive-Arbeits- und Cacheanteile, etwa für Upload-Warteschlangen oder temporäre Office-Dateien. Diese Daten liegen nicht zwingend im sichtbaren OneDrive-Stammordner und können die Belegung kurzfristig erhöhen. Aus administrativer Sicht ist entscheidend, dass das Vorhandensein eines Platzhalters keine Garantie für Offline-Verfügbarkeit darstellt und dass automatisierte Prozesse unbeabsichtigt viele Dateien hydratisieren können.
- Online-only wiederherstellen: Im Explorer „Speicherplatz freigeben“; technisch bleibt der Eintrag erhalten, der Inhaltsstream wird entfernt.
- Dauerhaft lokal halten: Im Explorer „Immer auf diesem Gerät“; verhindert Dehydration, erhöht aber planbar die lokale Belegung.
- Lokale Belegung verifizieren: Eigenschaften einzelner Dateien prüfen; für Pfadbezug im Skriptumfeld
Get-Item "C:\Users\...\OneDrive\Datei.ext"verwenden und auf konsistente Verfügbarkeit achten.
Ordnerumleitungen (Known Folder Move) und die Konsequenzen für Platzhalter
Wenn Dokumente, Desktop und Bilder per Known Folder Move in OneDrive umgeleitet werden, bleiben die bekannten Shell-Pfade in Windows weiterhin unter den vertrauten Bibliotheksnamen erreichbar, zeigen jedoch physisch in den OneDrive-Bereich. Dadurch werden auch Inhalte aus diesen Ordnern Teil der Platzhalterlogik: Ein Desktop-Symbol kann sichtbar sein, obwohl die Zieldatei nur online existiert. Das beeinflusst Anwendungen, die beim Start Projektdateien, Vorlagen oder Add-ins aus den bekannten Ordnern laden, weil dabei gegebenenfalls ein Nachladen ausgelöst wird.
Für die Praxis bedeutet das: Der Eindruck „alles liegt lokal“ entsteht leicht, weil Explorer und Suchfunktion die Struktur vollständig anzeigen. Die Offline-Tauglichkeit hängt jedoch davon ab, ob kritische Ordner gezielt auf „Immer auf diesem Gerät“ gesetzt wurden. Besonders bei Geräten mit knappen SSD-Kapazitäten entsteht ein Spannungsfeld zwischen Offline-Verfügbarkeit und kontrollierter Datenträgerbelegung, das ohne Statusdisziplin schnell zu inkonsistenten Arbeitsbedingungen führt.
Lösch- und Trennszenarien: Recycle Bin, Wiederherstellung, Ordnerumleitungen und Folgen beim Entkoppeln des Kontos
Löschen in einem synchronisierten OneDrive-Ordner: Was lokal passiert und was in der Cloud folgt
Unter Windows 11 behandelt der OneDrive-Syncclient Löschvorgänge grundsätzlich als Dateioperationen, die als Änderungsereignis in die Cloud repliziert werden. Wird eine Datei im OneDrive-Stamm oder in einem synchronisierten Unterordner gelöscht, entfernt Windows sie zunächst aus der lokalen Ansicht; anschließend wird die Löschung an den OneDrive-Dienst übermittelt. Erfolgt die Löschung lokal bei bestehender Verbindung, erscheint der Eintrag typischerweise kurz danach im OneDrive-Webpapierkorb. Bei unterbrochener Verbindung verbleibt die Operation als ausstehende Änderung in der lokalen Sync-Warteschlange und wird erst beim nächsten erfolgreichen Abgleich übertragen.
Die Files-On-Demand-Mechanik ändert am Löschgrundsatz nichts: Auch ein Platzhalter („nur online“) ist ein verwaltetes Objekt. Das Löschen entfernt den Platzhalter aus dem lokalen Namespace und löst serverseitig ebenfalls eine Löschung aus. Unterschiede ergeben sich eher bei Konflikten: Wird ein Objekt parallel auf einem anderen Gerät verändert oder umbenannt, entscheidet OneDrive anhand von Versionen/Änderungsständen über Zusammenführung oder Konfliktkopien. Bei reinen Löschvorgängen wird eine Löschung häufig übernommen, sofern keine spätere Änderung dagegensteht; in Konfliktfällen kann eine separate Datei mit Konfliktnamen entstehen, während das ursprünglich gelöschte Objekt im Papierkorb landet.
| Szenario | Serverseitige Folge | Lokale Folge |
|---|---|---|
| Löschen einer lokal verfügbaren Datei („immer auf diesem Gerät“) | Objekt wandert in den OneDrive-Papierkorb (sofern nicht endgültig gelöscht) | Datei wird aus %UserProfile%\OneDrive\... entfernt; Platzhalter existiert nicht mehr |
| Löschen eines Platzhalters („nur online“) | Objekt wird ebenfalls als gelöscht markiert und in den Papierkorb verschoben | Nur Metadaten/Eintrag verschwinden; kein physischer Dateiinhalt war lokal vorhanden |
| Löschen bei Offlinezustand | Löschereignis wird später übertragen; bis dahin keine Cloud-Änderung | Eintrag ist lokal entfernt; OneDrive zeigt ggf. „Änderungen werden verarbeitet“, bis Sync wieder möglich ist |
| Löschen auf einem anderen Gerät oder in der Weboberfläche | Papierkorb-Eintrag entsteht unmittelbar in der Cloud | Lokale Kopie/Platzhalter wird beim nächsten Sync entfernt |
Papierkörbe, Wiederherstellung und Versionierung: Zwei Ebenen mit unterschiedlichen Regeln
Für Wiederherstellungen sind zwei getrennte Mechanismen relevant: der Windows-Papierkorb und der OneDrive-Papierkorb. Der Windows-Papierkorb erfasst Löschvorgänge im lokalen Dateisystemkontext; das gilt typischerweise auch für Inhalte unter %UserProfile%\OneDrive, solange nicht „dauerhaft löschen“ verwendet wird (z. B. per Umschalt+Entf) oder die Datei aufgrund von Größe/Einstellungen nicht in den Papierkorb verschoben wird. Unabhängig davon führt der Syncvorgang die Löschung in der Cloud aus, wodurch zusätzlich der OneDrive-Papierkorb als serverseitige Rückfallebene entsteht.
Die Versionierung wirkt auf Dateiänderungen, nicht auf Löschungen. Eine gelöschte Datei lässt sich meist über den OneDrive-Papierkorb zurückholen; eine geänderte Datei über Versionsverlauf (OneDrive/SharePoint). Nach einer Wiederherstellung aus dem OneDrive-Papierkorb wird das Objekt erneut in die Bibliothek eingestellt und anschließend auf die Geräte repliziert. Eine Wiederherstellung aus dem Windows-Papierkorb stellt dagegen zunächst nur lokal wieder her; OneDrive interpretiert das als „Datei ist wieder da“ und lädt sie erneut hoch, sofern der Pfad weiterhin innerhalb des synchronisierten Bereichs liegt.
- Windows-Papierkorb (lokal): Wiederherstellung erzeugt eine Datei an ihrem ursprünglichen Ort; OneDrive synchronisiert das als neue/reaktivierte Datei innerhalb
%UserProfile%\OneDrive. - OneDrive-Papierkorb (cloudseitig): Wiederherstellung setzt das Objekt in der Cloud zurück; der Syncclient lädt Metadaten und ggf. Inhalt erneut auf das Gerät.
- „Dauerhaft löschen“: Löschungen per
Shift+Deleteumgehen den Windows-Papierkorb; serverseitig kann dennoch ein Papierkorb-Eintrag entstehen, bis er in OneDrive endgültig entfernt wird. - Versionsverlauf: Relevante Stelle für die Rückkehr zu früheren Ständen ist die OneDrive/SharePoint-Versionierung; lokal existiert dafür kein gleichwertiger Standardmechanismus.
Ordnerumleitungen (Known Folder Move) und ihre Nebenwirkungen bei Löschungen
Bei aktivierter Ordnerumleitung („Known Folder Move“, KFM) werden die bekannten Ordner Desktop, Dokumente und Bilder in den OneDrive-Kontext verlagert. Technisch bedeutet das: Die Shell-Pfade zeigen auf Unterordner unter %UserProfile%\OneDrive (oder in Unternehmensumgebungen auf %UserProfile%\OneDrive - <Organisation>). Löschvorgänge im Desktop oder in „Dokumente“ sind damit Löschvorgänge im synchronisierten Bereich – inklusive Replikation in die Cloud und Konsequenzen auf anderen Geräten.
Besonders folgenreich wird KFM in Mehrgeräte-Setups: Das Entfernen einer Datei vom Desktop auf Gerät A entfernt sie bei erfolgreichem Sync auch vom Desktop auf Gerät B, weil beide Geräte denselben OneDrive-Ordner verwenden. Klassische Missverständnisse entstehen, wenn „Desktop“ als rein lokaler Arbeitsbereich betrachtet wird, tatsächlich aber eine cloudgespiegelte Ablage ist. Bei Anwendungen, die Arbeitsdateien temporär in „Dokumente“ ablegen oder dort Cache-Inhalte verwalten, kann KFM zudem zu einer unerwünschten Synchronisation flüchtiger Daten führen; das betrifft weniger das Löschen an sich, aber die Häufigkeit von Änderungs- und Löschereignissen.
Konto trennen oder OneDrive zurücksetzen: Was bleibt lokal, was verschwindet, was wird neu verknüpft
Das Entkoppeln („Konto trennen“) beendet die Synchronisationsbeziehung zwischen dem lokalen OneDrive-Client und dem Cloudkonto. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen dem Stoppen der Synchronisation und dem Löschen lokaler Daten: Beim Trennen wird der Sync beendet und der OneDrive-Ordner bleibt in der Regel als normaler Ordner im Dateisystem bestehen. Er wird jedoch nicht mehr aktualisiert; Statussymbole und Platzhalterlogik funktionieren dort nicht mehr wie zuvor. Serverseitig werden dabei keine Inhalte gelöscht, weil keine Löschoperation übertragen wird.
Wird nach dem Trennen der lokale OneDrive-Ordner manuell bereinigt oder verschoben, handelt es sich um rein lokale Aktionen ohne Cloudbezug. Umgekehrt bleiben Löschungen in der Cloud ohne Wirkung auf den entkoppelten PC, weil kein Sync mehr stattfindet. Bei einer späteren erneuten Anmeldung kann die Ordnerauswahl (welche Bibliotheken/Ordner synchronisiert werden) zu Abweichungen führen; vorhandene lokale Daten werden nicht automatisch als „maßgeblich“ akzeptiert. Der Client vergleicht Zustände, lädt fehlende Dateien ggf. erneut oder erzeugt bei Konflikten separate Kopien, um Datenverlust zu vermeiden.
- Konto trennen: Stoppt Sync; der Ordner unter
%UserProfile%\OneDrivebleibt typischerweise erhalten, wird aber nicht weiter abgeglichen. - OneDrive deinstallieren: Entfernt den Client; vorhandene Dateien im OneDrive-Ordner bleiben als normale Dateien bestehen, Cloudinhalte bleiben unverändert.
- Ordnerumleitung aktiv: Nach dem Trennen zeigen Desktop/Dokumente/Bilder weiterhin auf die umgeleiteten Pfade, bis KFM zurückgenommen oder Pfade angepasst werden; dadurch können Dateien weiterhin im „ehemaligen“ OneDrive-Ordner landen.
- Fehleranalyse bei Löschfolgen: Status und Warteschlangen lassen sich in der Regel über OneDrive-Einstellungen prüfen; Logdateien liegen unter
%LocalAppData%\Microsoft\OneDrive\logsund helfen bei der Einordnung, ob eine Löschung bereits übertragen wurde.
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